Fußball kann in Deutschland als „Männer-sport“ oder als „Männerdomäne“ bezeichnet werden. Wird über Fußball gesprochen, geht es fast immer automatisch um Männerfußball. Dies, obwohl die deutsche Frauen-Fußballnationalmannschaft in den letzten Jahren sportlich sehr viel aussichtsreicher in große Turniere gestartet ist. Es kann allerdings davon ausgegangen werden, dass sich insbesondere im Hinblick auf die Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland das Interesse am Frauen-Fußball zumindest erhöht – für eine Stärkung des nationalen Selbstbewusstseins taugt auch sie allemal.
Bei den Spielen der Männermannschaften befinden sich auf den Rängen im Stadion zum Großteil Männer und auch vor dem Fernseher sitzen (zumindest bei Ligaspielen) häufig nur Männer. Ein Wunder ist es also nicht, dass Fußball als Fanszene von den Regeln der Männer dominiert wird.
Besonders deutlich wird die Abgrenzung der Fußballwelt gegenüber Frauen am allgegenwärtigen Sexismus (Begriffserklärung) in den Stadien. Frauen und Mädchen werden von vielen Männern immer noch als schwach und nicht gleichwertig betrachtet. Was passiert also, wenn man die Fans einer anderen Nationalmannschaft beschimpfen will, eben weil „wir“ ja die bessere Nation sind und „unsere“ Fans zu einem großen Teil Männer? Dort werden Frauen lautstark zum Ausziehen aufgefordert, was die Medien gerne aufgreifen. Männliche Spieler werden beleidigt, indem sie zum Beispiel als „Mädchen“ beschimpft werden, wenn sie nach einem Foul zu Boden gehen. Schwach oder verletzlich sein hat in der heutigen männlichen Fußballwelt nichts verloren. Frauen, die als Freundinnen von männlichen Fans oder als Groupies im Stadion zugegen sind, werden zu einem Großteil nicht als „echte Fans“ anerkannt. Weibliche Fans, die echte Fans sein wollen, übernehmen die fürs Stadion festgelegten Verhaltensweisen der Männer, wie etwa Beschimpfungen, Gebrüll, Drohgebärden, oder „überhören“ zumindest sexistische Anmachen und Sprüche.
Die Ausgrenzung von allem, was als weiblich gilt, kann man auch an einer ausgeprägten Homophobie – Hass gegen Homosexuelle, also gegen Schwule und Lesben – im Fußball sehen, die sich beispielsweise in der Beschimpfung als „Schwuchtel“ äußert. Schwul-sein wird als unmännlich, also weiblich, betrachtet und schwule Männer somit ebenso ausgegrenzt. Einen geouteten schwulen aktiven Profifußballer gibt es weltweit bisher nicht. Allerdings sehen sich auch Profifußballerinnen, die sich in einer Männerdomäne bewegen, Diskriminierungen ausgesetzt. Unterschwellig werden sie als lesbisch und/oder unweiblich (burschikos) eingeordnet. Frauen, die einen Männersport auf hohem Niveau betreiben müssen ja schließlich irgendwie „aus der Rolle fallen“.
Sind Frauen als Fußballfans auf natio-naler Ebene deutlich unterrepräsentiert, scheint sich das Bild bei so genannten Länderspielen sowohl vor dem Fernseher als auch in den Public-Viewing-Arenen zu ändern. Das Bild ist hier zumindest ausgewogener, nationaler Freudentaumel darf augenscheinlich auch weiblich sein. Das Bekenntnis zur Nation und all seinen Ausgrenzungsmechanismen scheint in diesem Moment zumindest den permanenten
Eignungstest von Frauen als „echte Fans“ in den Schatten zu stellen. Zumindest so lange sie sich in ihren angestammten Rollen, die im Stadion eher unwillkommen sind, bewegen, also möglichst gut drauf, schön, friedlich sind. Nationalismus braucht, im Gegensatz zur Männerdomäne Fußball, die sichtbare Präsenz dieser Frauenrollen, um etablierte Machtverhältnisse stabil zu halten.
Unser Anliegen wäre es jedoch, dass auch Mandi und Büsra ganz entspannt Fußball spielen und gucken können, wenn sie sich dafür interessieren, unabhängig davon, welches Geschlecht, welche sexuelle Orientierung oder welche Nationalität sie haben, egal, ob sie lieber Hosen oder Röcke tragen, lange oder kurze Haare haben, ohne sich deshalb dumpfen Beleidigungen oder Ausschluss ausgesetzt zu sehen.